Warum du im Homeoffice trotz Ruhe nicht produktiv bist
Eigentlich müsste das Homeoffice perfekt sein.
Keine Kolleg:innen, die dich unterbrechen.
Kein Arbeitsweg.
Keine Gespräche an der Kaffeemaschine.
Du kannst deinen Tag selbst strukturieren, hast deine Ruhe und theoretisch die besten Voraussetzungen, konzentriert zu arbeiten.
Und trotzdem sitzt du manchmal vor deinem Rechner und bekommst erstaunlich wenig hin.
Oder du arbeitest drei Stunden hochkonzentriert durch und bist danach so erschöpft, dass für den Rest des Tages kaum noch Energie übrig ist.
Gerade für Menschen mit ADHS oder einem sehr schnellen, reizoffenen Gehirn kann Homeoffice deshalb gleichzeitig großartig und schwierig sein.
Denn Produktivität braucht nicht immer weniger Reize.
Manchmal braucht sie die richtigen.
Das Homeoffice Problem, über das wenig gesprochen wird
Viele Tipps für produktives Arbeiten basieren auf derselben Grundidee:
Störungen reduzieren.
Tür zu.
Benachrichtigungen aus.
Kopfhörer auf.
Fokus.
Das kann sehr gut funktionieren.
Aber es fehlt eine andere Seite.
Menschen regulieren sich nicht nur über Ruhe.
Wir regulieren uns auch über andere Menschen.
Im Coaching erzählte ein Klient, dass ihm das dauerhafte Arbeiten zu Hause irgendwann regelrecht wie ein Käfig vorkam. Er begann deshalb, häufiger in Coworking Spaces oder gemeinsam mit Kolleg:innen zu arbeiten.
Interessanterweise war es dort nicht unbedingt ruhiger.
Teilweise sogar im Gegenteil.
Andere Menschen redeten. Es gab Bewegung. Es gab Ablenkungen.
Und trotzdem war er produktiver.
Warum?
Produktivität ist nicht nur eine Frage von Konzentration
Wir betrachten Produktivität oft zu technisch:
Wie viele Stunden kann ich konzentriert arbeiten?
Wie kann ich Ablenkungen vermeiden?
Wie optimiere ich meinen Kalender?
Dabei übersehen wir leicht, dass unser Energielevel mindestens genauso entscheidend ist.
Du kannst einen perfekt geplanten Arbeitstag haben und trotzdem kaum etwas schaffen, wenn dein Gehirn nach mehreren Stunden allein vor dem Bildschirm einfach keinen Antrieb mehr hat.
Im Coaching fiel ein schöner Ausdruck:
sozial auftanken.
Manchmal reichen zwei Minuten an der Kaffeemaschine.
Ein kurzer Blick auf das, was die Kollegin gerade macht.
Eine beiläufige Frage.
Ein gemeinsames Mittagessen.
Ein kleiner Witz zwischendurch.
Nichts davon sieht auf den ersten Blick produktiv aus.
Und trotzdem kann genau das dazu führen, dass wir danach wieder konzentrierter arbeiten.
Die unterschätzte Wirkung der Kaffeemaschine
Im Büro entstehen unzählige kleine Begegnungen, für die niemand einen Kalendereintrag erstellt.
„Wie läuft dein Projekt eigentlich?“
„Hast du das schon gesehen?“
„Ich hole mir einen Kaffee, kommst du mit?“
Im Homeoffice müssten wir für dieselben zwei Minuten theoretisch jemanden anrufen.
Und das machen wir meistens nicht.
Denn für einen Anruf braucht es plötzlich einen Grund.
Also fällt ein großer Teil dieser Mikrointeraktionen weg.
Das Problem daran:
Mit ihnen verschwinden nicht nur soziale Kontakte.
Es verschwinden auch spontane Informationen, kleine Perspektivwechsel und Momente, in denen unser Gehirn kurz aus einer Aufgabe herauskommt.
Im Coaching wurde genau das sichtbar: Zwei Kollegen saßen nebeneinander, sahen zufällig auf den Bildschirm des anderen und klärten innerhalb weniger Minuten etwas, worüber sie remote vermutlich nie gesprochen hätten.
Nicht weil es unwichtig war.
Sondern weil niemand dafür einen Termin angesetzt hätte.
Body Doubling: Alleine arbeiten, aber nicht allein sein
Ein weiteres Prinzip, das gerade Menschen mit ADHS häufig hilfreich finden, ist Body Doubling.
Die Idee ist erstaunlich simpel:
Du arbeitest an deiner Aufgabe, während eine andere Person ebenfalls arbeitet.
Ihr müsst nicht einmal am selben Thema sitzen.
Ihr müsst euch nicht helfen.
Ihr müsst euch teilweise noch nicht einmal unterhalten.
Die bloße Anwesenheit eines anderen Menschen kann bereits helfen, bei einer Aufgabe zu bleiben.
Das kann physisch passieren.
Zum Beispiel im Coworking Space.
Oder digital.
Man trifft sich per Video, sagt kurz:
„Ich arbeite jetzt 45 Minuten an meiner Präsentation.“
Die andere Person arbeitet parallel an ihrer Steuererklärung, ihrem Konzept oder ihren E Mails.
Danach schaut man kurz:
Was habe ich geschafft?
Das klingt fast zu einfach.
Für manche Gehirne macht es aber einen erstaunlichen Unterschied.
Warum andere Menschen beim Fokus helfen können
Wenn du allein zu Hause arbeitest, gibt es theoretisch unbegrenzt viele Möglichkeiten.
Du könntest weiterarbeiten.
Du könntest kurz die Wäsche machen.
Du könntest Kaffee holen.
Du könntest nach einer Information suchen und 20 Minuten später feststellen, dass du bei einem völlig anderen Thema gelandet bist.
Du könntest die Aufgabe wechseln.
Du könntest aufs Sofa gehen.
Niemand merkt etwas.
Sitzt dagegen neben dir jemand, der gerade konzentriert arbeitet, verändert sich die Situation.
Nicht unbedingt bewusst.
Aber es entsteht eine Art äußerer Rahmen: Warum du im Homeoffice trotz Ruhe nicht produktiv bist
Eigentlich müsste das Homeoffice perfekt sein.
Keine Kolleg:innen, die dich unterbrechen.
Kein Arbeitsweg.
Keine Gespräche an der Kaffeemaschine.
Du kannst deinen Tag selbst strukturieren, hast deine Ruhe und theoretisch die besten Voraussetzungen, konzentriert zu arbeiten.
Und trotzdem sitzt du manchmal vor deinem Rechner und bekommst erstaunlich wenig hin.
Oder du arbeitest drei Stunden hochkonzentriert durch und bist danach so erschöpft, dass für den Rest des Tages kaum noch Energie übrig ist.
Gerade für Menschen mit ADHS oder einem sehr schnellen, reizoffenen Gehirn kann Homeoffice deshalb gleichzeitig großartig und schwierig sein.
Denn Produktivität braucht nicht immer weniger Reize.
Manchmal braucht sie die richtigen.
Das Homeoffice Problem, über das wenig gesprochen wird
Viele Tipps für produktives Arbeiten basieren auf derselben Grundidee:
Störungen reduzieren. Tür zu. Benachrichtigungen aus. Kopfhörer auf. Fokus.
Das kann sehr gut funktionieren. Aber es fehlt eine andere Seite.
Menschen regulieren sich nicht nur über Ruhe. Wir regulieren uns auch über andere Menschen.
Im Coaching erzählte ein Klient, dass ihm das dauerhafte Arbeiten zu Hause irgendwann regelrecht wie ein Käfig vorkam. Er begann deshalb, häufiger in Coworking Spaces oder gemeinsam mit Kolleg:innen zu arbeiten.
Interessanterweise war es dort nicht unbedingt ruhiger. Teilweise sogar im Gegenteil. Andere Menschen redeten. Es gab Bewegung. Es gab Ablenkungen. Und trotzdem war er produktiver. Warum?
Produktivität ist nicht nur eine Frage von Konzentration
Wir betrachten Produktivität oft zu technisch:
Wie viele Stunden kann ich konzentriert arbeiten?
Wie kann ich Ablenkungen vermeiden?
Wie optimiere ich meinen Kalender?
Dabei übersehen wir leicht, dass unser Energielevel mindestens genauso entscheidend ist.
Du kannst einen perfekt geplanten Arbeitstag haben und trotzdem kaum etwas schaffen, wenn dein Gehirn nach mehreren Stunden allein vor dem Bildschirm einfach keinen Antrieb mehr hat.
Im Coaching fiel ein schöner Ausdruck:
sozial auftanken.
Manchmal reichen zwei Minuten an der Kaffeemaschine.
Ein kurzer Blick auf das, was die Kollegin gerade macht.
Eine beiläufige Frage.
Ein gemeinsames Mittagessen.
Ein kleiner Witz zwischendurch.
Nichts davon sieht auf den ersten Blick produktiv aus.
Und trotzdem kann genau das dazu führen, dass wir danach wieder konzentrierter arbeiten.
Die unterschätzte Wirkung der Kaffeemaschine
Im Büro entstehen unzählige kleine Begegnungen, für die niemand einen Kalendereintrag erstellt.
„Wie läuft dein Projekt eigentlich?“
„Hast du das schon gesehen?“
„Ich hole mir einen Kaffee, kommst du mit?“
Im Homeoffice müssten wir für dieselben zwei Minuten theoretisch jemanden anrufen.
Und das machen wir meistens nicht.
Denn für einen Anruf braucht es plötzlich einen Grund.
Also fällt ein großer Teil dieser Mikrointeraktionen weg.
Das Problem daran:
Mit ihnen verschwinden nicht nur soziale Kontakte.
Es verschwinden auch spontane Informationen, kleine Perspektivwechsel und Momente, in denen unser Gehirn kurz aus einer Aufgabe herauskommt.
Im Coaching wurde genau das sichtbar: Zwei Kollegen saßen nebeneinander, sahen zufällig auf den Bildschirm des anderen und klärten innerhalb weniger Minuten etwas, worüber sie remote vermutlich nie gesprochen hätten.
Nicht weil es unwichtig war.
Sondern weil niemand dafür einen Termin angesetzt hätte.
Body Doubling: Alleine arbeiten, aber nicht allein sein
Ein weiteres Prinzip, das gerade Menschen mit ADHS häufig hilfreich finden, ist Body Doubling.
Die Idee ist erstaunlich simpel:
Du arbeitest an deiner Aufgabe, während eine andere Person ebenfalls arbeitet.
Ihr müsst nicht einmal am selben Thema sitzen.
Ihr müsst euch nicht helfen.
Ihr müsst euch teilweise noch nicht einmal unterhalten.
Die bloße Anwesenheit eines anderen Menschen kann bereits helfen, bei einer Aufgabe zu bleiben.
Das kann physisch passieren.
Zum Beispiel im Coworking Space.
Oder digital.
Man trifft sich per Video, sagt kurz:
„Ich arbeite jetzt 45 Minuten an meiner Präsentation.“
Die andere Person arbeitet parallel an ihrer Steuererklärung, ihrem Konzept oder ihren E Mails.
Danach schaut man kurz:
Was habe ich geschafft?
Das klingt fast zu einfach.
Für manche Gehirne macht es aber einen erstaunlichen Unterschied.
Warum andere Menschen beim Fokus helfen können
Wenn du allein zu Hause arbeitest, gibt es theoretisch unbegrenzt viele Möglichkeiten.
Du könntest weiterarbeiten.
Du könntest kurz die Wäsche machen.
Du könntest Kaffee holen.
Du könntest nach einer Information suchen und 20 Minuten später feststellen, dass du bei einem völlig anderen Thema gelandet bist.
Du könntest die Aufgabe wechseln.
Du könntest aufs Sofa gehen.
Niemand merkt etwas.
Sitzt dagegen neben dir jemand, der gerade konzentriert arbeitet, verändert sich die Situation.
Nicht unbedingt bewusst.
Aber es entsteht eine Art äußerer Rahmen.
Wir arbeiten gerade.
Man könnte es auch als geliehene Struktur bezeichnen.
Gerade wenn die eigene innere Struktur schwankt, kann dieser äußere Rahmen entlasten.
Body Doubling hilft nicht nur beim Anfangen
Besonders spannend finde ich noch einen anderen Aspekt.
Andere Menschen können uns nicht nur helfen, bei einer Aufgabe zu bleiben.
Sie können uns auch helfen, wieder aufzuhören.
Das klingt zunächst widersprüchlich.
Aber gerade Menschen, die Hyperfokus kennen, haben manchmal nicht das Problem, dass sie sich nicht konzentrieren können.
Das Problem ist:
Sie hören nicht mehr auf.
Drei Stunden später merken sie, dass sie nichts getrunken haben.
Das Mittagessen ist ausgefallen.
Der Nacken tut weh.
Und die gesamte Energie des Tages wurde bereits zwischen neun und zwölf Uhr verbraucht.
Im Coaching wurde genau das beschrieben.
Wenn jemand anderes sagt:
„Ich mache jetzt eine Pause.“
entsteht plötzlich ein natürlicher Unterbrechungspunkt.
Oder jemand fragt:
„Wollten wir nicht Mittag essen?“
Diese externe Struktur kann dabei helfen, einen gesünderen Arbeitsrhythmus zu entwickeln.
Hyperfokus ist nicht dasselbe wie nachhaltige Produktivität
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Nur weil du drei Stunden extrem konzentriert gearbeitet hast, heißt das nicht automatisch, dass diese Arbeitsweise für dich funktioniert.
Die Frage ist nicht nur:
Wie viel habe ich geschafft?
Sondern auch:
Wie viel Energie hat es mich gekostet?
Wenn du nach einem Fokusblock so erschöpft bist, dass der restliche Arbeitstag praktisch verloren ist, war die Arbeitsweise möglicherweise effizient, aber nicht nachhaltig.
Produktivität bedeutet deshalb nicht:
möglichst lange konzentriert bleiben.
Sondern:
die eigene Energie so einsetzen, dass sie über den Tag hinweg verfügbar bleibt.
Aber Coworking lenkt mich doch ab
Ja.
Und genau deshalb geht es nicht darum, das Homeoffice gegen das Büro auszuspielen.
Auch im Coaching zeigte sich:
Ein offener Coworking Space mit vielen Gesprächen kann viel zu reizintensiv sein.
Ein ruhiger Arbeitsbereich hingegen kann genau die richtige Mischung bieten.
Menschen in der Nähe.
Aber keine permanente Interaktion.
Ein bisschen Bewegung.
Aber kein Dauerlärm.
Soziale Verbindung.
Aber trotzdem Fokus.
Die Frage lautet deshalb nicht:
Homeoffice oder Büro?
Sondern:
Welche Arbeitsumgebung unterstützt mein Gehirn bei welcher Aufgabe?
Vielleicht brauchst du unterschiedliche Orte für unterschiedliche Arbeit
Nicht jede Aufgabe braucht dieselbe Umgebung.
Für konzeptionelle Arbeit brauchst du vielleicht absolute Ruhe.
Für administrative Aufgaben hilft dir möglicherweise Body Doubling.
Für einen schwierigen Einstieg in eine Aufgabe funktioniert ein Coworking Space besser.
Für kreative Arbeit brauchst du vielleicht Austausch.
Für einen Tag voller Videocalls möchtest du danach niemanden mehr sehen.
Das Ziel muss deshalb nicht sein, die eine perfekte Arbeitsumgebung zu finden.
Vielleicht brauchst du mehrere.
Ein persönliches Produktivitätsprofil statt allgemeiner Tipps
Statt zu fragen:
Wie arbeitet man produktiv im Homeoffice?
finde ich eine andere Frage viel hilfreicher:
Unter welchen Bedingungen kann ich gut arbeiten?
Beobachte dich einmal zwei Wochen lang.
Wann kommst du leicht in eine Aufgabe?
Wann driftest du ab?
Wann brauchst du Menschen?
Wann werden Menschen zu viel?
Wann brauchst du absolute Ruhe?
Wann hilft dir ein Café oder Coworking Space?
Wie lange kannst du konzentriert arbeiten, bevor deine Energie deutlich sinkt?
Wann brauchst du eine Pause, obwohl du eigentlich noch weitermachen möchtest?
So entsteht nach und nach dein persönliches Arbeitsprofil.
Vier Dinge, die du ausprobieren kannst
1. Einen Coworking Tag pro Woche
Du musst nicht gleich fünf Tage ins Büro zurückkehren.
Teste einen festen Tag an einem anderen Arbeitsort.
Und beobachte nicht nur:
Wie viel habe ich geschafft?
Sondern auch:
Wie habe ich mich gefühlt?
2. Digitales Body Doubling
Verabrede dich mit einer Kollegin, einem Freund oder einer anderen selbstständig arbeitenden Person.
Fünf Minuten Check in.
45 oder 60 Minuten arbeiten.
Kurzes Check out.
Mehr braucht es häufig nicht.
3. Soziale Mikro Pausen
Nicht jedes Gespräch braucht einen Termin.
Vielleicht verabredest du dich mit einer Kollegin zu einem zehnminütigen virtuellen Kaffee.
Oder du arbeitest einen Vormittag gemeinsam mit jemandem und ihr macht zwischendurch bewusst eine kleine Pause.
4. Pausen nicht erst machen, wenn du erschöpft bist
Wenn du zu Hyperfokus neigst, ist dein Gefühl möglicherweise kein besonders zuverlässiger Pausenwecker.
Denn wenn du gerade drin bist, willst du nicht aufhören.
Plane deshalb einen äußeren Unterbrechungspunkt.
Mit einem Menschen.
Mit einem Termin.
Mit einem Ortswechsel.
Oder mit einem Timer.
Und wenn du zu Hause einfach nicht produktiv bist?
Dann muss die Antwort nicht lauten:
Ich brauche mehr Disziplin.
Vielleicht fehlen dir Bedingungen, die dein Gehirn bei der Regulation unterstützen.
Struktur.
Soziale Energie.
Bewegung.
Verbindlichkeit.
Ein sichtbarer Arbeitskontext.
Ein Gegenüber.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Denn sobald wir aufhören, Produktivität ausschließlich als Frage der Selbstdisziplin zu betrachten, können wir anfangen, unsere Arbeitsumgebung intelligenter zu gestalten.
Nicht gegen unser Gehirn.
Sondern mit ihm.
Reflexionsfragen
Wenn du herausfinden möchtest, was für dich funktioniert, helfen vielleicht diese Fragen:
Arbeite ich wirklich besser, wenn ich komplett allein bin?
Welche Art von sozialem Kontakt gibt mir Energie?
Welche Art von Kontakt kostet mich Energie?
Bei welchen Aufgaben hilft mir die Anwesenheit anderer?
Wann kippt Fokus bei mir in Hyperfokus?
Woran merke ich zu spät, dass ich eine Pause gebraucht hätte?
Welche Tätigkeiten würde ich lieber im Coworking Space, Büro oder Café erledigen?
Welche Tätigkeiten brauchen absolute Ruhe?
Vielleicht liegt das Problem also gar nicht darin, dass du im Homeoffice nicht produktiv genug bist.
Vielleicht versuchst du nur, jeden Tag unter denselben Bedingungen zu arbeiten, obwohl dein Gehirn unterschiedliche Bedingungen braucht.
Und vielleicht ist die produktivste Entscheidung manchmal nicht:
Tür zu und konzentrieren.
Sondern:
Laptop einpacken und dahin gehen, wo andere Menschen sind. Wir arbeiten gerade.
Man könnte es auch als geliehene Struktur bezeichnen.
Gerade wenn die eigene innere Struktur schwankt, kann dieser äußere Rahmen entlasten.
Body Doubling hilft nicht nur beim Anfangen
Besonders spannend finde ich noch einen anderen Aspekt.
Andere Menschen können uns nicht nur helfen, bei einer Aufgabe zu bleiben.
Sie können uns auch helfen, wieder aufzuhören.
Das klingt zunächst widersprüchlich.
Aber gerade Menschen, die Hyperfokus kennen, haben manchmal nicht das Problem, dass sie sich nicht konzentrieren können.
Das Problem ist:
Sie hören nicht mehr auf.
Drei Stunden später merken sie, dass sie nichts getrunken haben.
Das Mittagessen ist ausgefallen.
Der Nacken tut weh.
Und die gesamte Energie des Tages wurde bereits zwischen neun und zwölf Uhr verbraucht.
Im Coaching wurde genau das beschrieben.
Wenn jemand anderes sagt:
„Ich mache jetzt eine Pause.“
entsteht plötzlich ein natürlicher Unterbrechungspunkt.
Oder jemand fragt:
„Wollten wir nicht Mittag essen?“
Diese externe Struktur kann dabei helfen, einen gesünderen Arbeitsrhythmus zu entwickeln.
Hyperfokus ist nicht dasselbe wie nachhaltige Produktivität
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Nur weil du drei Stunden extrem konzentriert gearbeitet hast, heißt das nicht automatisch, dass diese Arbeitsweise für dich funktioniert.
Die Frage ist nicht nur:
Wie viel habe ich geschafft?
Sondern auch:
Wie viel Energie hat es mich gekostet?
Wenn du nach einem Fokusblock so erschöpft bist, dass der restliche Arbeitstag praktisch verloren ist, war die Arbeitsweise möglicherweise effizient, aber nicht nachhaltig.
Produktivität bedeutet deshalb nicht:
möglichst lange konzentriert bleiben.
Vielmehr:
die eigene Energie so einsetzen, dass sie über den Tag hinweg verfügbar bleibt.
Aber Coworking lenkt mich doch ab
Ja.
Und genau deshalb geht es nicht darum, das Homeoffice gegen das Büro auszuspielen.
Auch im Coaching zeigte sich:
Ein offener Coworking Space mit vielen Gesprächen kann viel zu reizintensiv sein.
Ein ruhiger Arbeitsbereich hingegen kann genau die richtige Mischung bieten.
Menschen in der Nähe.
Aber keine permanente Interaktion.
Ein bisschen Bewegung.
Aber kein Dauerlärm.
Soziale Verbindung.
Aber trotzdem Fokus.
Die Frage lautet deshalb nicht:
Homeoffice oder Büro?
Sondern:
Welche Arbeitsumgebung unterstützt mein Gehirn bei welcher Aufgabe?
Vielleicht brauchst du unterschiedliche Orte für unterschiedliche Arbeit
Nicht jede Aufgabe braucht dieselbe Umgebung.
Für konzeptionelle Arbeit brauchst du vielleicht absolute Ruhe.
Für administrative Aufgaben hilft dir möglicherweise Body Doubling.
Für einen schwierigen Einstieg in eine Aufgabe funktioniert ein Coworking Space besser.
Für kreative Arbeit brauchst du vielleicht Austausch.
Für einen Tag voller Videocalls möchtest du danach niemanden mehr sehen.
Das Ziel muss deshalb nicht sein, die eine perfekte Arbeitsumgebung zu finden.
Vielleicht brauchst du mehrere.
Ein persönliches Produktivitätsprofil statt allgemeiner Tipps
Statt zu fragen:
Wie arbeitet man produktiv im Homeoffice?
finde ich eine andere Frage viel hilfreicher:
Unter welchen Bedingungen kann ich gut arbeiten?
Beobachte dich einmal zwei Wochen lang.
Wann kommst du leicht in eine Aufgabe?
Wann driftest du ab?
Wann brauchst du Menschen?
Wann werden Menschen zu viel?
Wann brauchst du absolute Ruhe?
Wann hilft dir ein Café oder Coworking Space?
Wie lange kannst du konzentriert arbeiten, bevor deine Energie deutlich sinkt?
Wann brauchst du eine Pause, obwohl du eigentlich noch weitermachen möchtest?
So entsteht nach und nach dein persönliches Arbeitsprofil.
Vier Dinge, die du ausprobieren kannst
1. Einen Coworking Tag pro Woche
Du musst nicht gleich fünf Tage ins Büro zurückkehren.
Teste einen festen Tag an einem anderen Arbeitsort.
Und beobachte nicht nur:
Wie viel habe ich geschafft?
Sondern auch:
Wie habe ich mich gefühlt?
2. Digitales Body Doubling
Verabrede dich mit einer Kollegin, einem Freund oder einer anderen selbstständig arbeitenden Person.
Fünf Minuten Check in.
45 oder 60 Minuten arbeiten.
Kurzes Check out.
Mehr braucht es häufig nicht.
3. Soziale Mikro Pausen
Nicht jedes Gespräch braucht einen Termin.
Vielleicht verabredest du dich mit einer Kollegin zu einem zehnminütigen virtuellen Kaffee.
Oder du arbeitest einen Vormittag gemeinsam mit jemandem und ihr macht zwischendurch bewusst eine kleine Pause.
4. Pausen nicht erst machen, wenn du erschöpft bist
Wenn du zu Hyperfokus neigst, ist dein Gefühl möglicherweise kein besonders zuverlässiger Pausenwecker.
Denn wenn du gerade drin bist, willst du nicht aufhören.
Plane deshalb einen äußeren Unterbrechungspunkt.
Mit einem Menschen.
Mit einem Termin.
Mit einem Ortswechsel.
Oder mit einem Timer.
Und wenn du zu Hause einfach nicht produktiv bist?
Dann muss die Antwort nicht lauten:
Ich brauche mehr Disziplin.
Vielleicht fehlen dir Bedingungen, die dein Gehirn bei der Regulation unterstützen.
Struktur.
Soziale Energie.
Bewegung.
Verbindlichkeit.
Ein sichtbarer Arbeitskontext.
Ein Gegenüber.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Denn sobald wir aufhören, Produktivität ausschließlich als Frage der Selbstdisziplin zu betrachten, können wir anfangen, unsere Arbeitsumgebung intelligenter zu gestalten.
Nicht gegen unser Gehirn.
Sondern mit ihm.
Reflexionsfragen
Wenn du herausfinden möchtest, was für dich funktioniert, helfen vielleicht diese Fragen:
Arbeite ich wirklich besser, wenn ich komplett allein bin?
Welche Art von sozialem Kontakt gibt mir Energie?
Welche Art von Kontakt kostet mich Energie?
Bei welchen Aufgaben hilft mir die Anwesenheit anderer?
Wann kippt Fokus bei mir in Hyperfokus?
Woran merke ich zu spät, dass ich eine Pause gebraucht hätte?
Welche Tätigkeiten würde ich lieber im Coworking Space, Büro oder Café erledigen?
Welche Tätigkeiten brauchen absolute Ruhe?
Vielleicht liegt das Problem also gar nicht darin, dass du im Homeoffice nicht produktiv genug bist.
Vielleicht versuchst du nur, jeden Tag unter denselben Bedingungen zu arbeiten, obwohl dein Gehirn unterschiedliche Bedingungen braucht.
Und vielleicht ist die produktivste Entscheidung manchmal nicht:
Tür zu und konzentrieren.
Sondern:
Laptop einpacken und dahin gehen, wo andere Menschen sind.
Du weißt theoretisch, wie produktives Arbeiten funktioniert, aber die üblichen Methoden passen trotzdem nicht richtig zu dir? Im Coaching schauen wir nicht danach, wie du dich noch besser an ein Arbeitssystem anpassen kannst, sondern welche Bedingungen du brauchst, um konzentriert, gesund und mit deiner eigenen Art zu denken arbeiten zu können.
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Body Doubling bedeutet, dass du eine Aufgabe in Anwesenheit einer anderen Person erledigst. Die andere Person muss weder helfen noch an derselben Aufgabe arbeiten. Allein ihre Anwesenheit kann einen hilfreichen äußeren Rahmen schaffen.
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Produktivität hängt nicht nur von Ruhe und möglichst wenigen Ablenkungen ab. Manche Menschen profitieren zusätzlich von sozialem Kontakt, äußerer Struktur, Bewegung oder der Anwesenheit anderer Menschen.
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Bei starkem Fokus oder Hyperfokus fehlen im Homeoffice oft natürliche Unterbrechungen. Kolleg:innen, gemeinsames Arbeiten oder bewusst gesetzte äußere Signale können dabei helfen, rechtzeitig Pausen zu machen.